Andacht März bis Mai 2026

Pastor Solomon Korir
Pastor Solomon Korir

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Da weinte Jesus.“ (Joh. 11,35 EÜ) – so lautet der Monatsspruch für März. Er mag wie aus dem Nichts geworfen klingen, doch er hat eine enorme Bedeutung für unsere Beziehung zu Jesus. Im Johannesevangelium geht es zentral um die Menschwerdung Gottes durch Jesus Christus. Schon am Anfang stellt der Apostel Johannes klar, dass Jesus, über den er spricht, Gott ist, das Wort, in dem alle Schöpfung ihren Ursprung hat und dass er Mensch geworden ist (Joh. 1,3.14).

Heißt es also: „Da weinte Gott?“ Ein verstörender Gedanke, der fast blasphemisch wirkt. Kein Wunder, dass Jesus aufgrund seiner Menschwerdung Ablehnung bis zu seinem Tod erlebte. Erstaunlich ist, dass der Mensch einen Gott haben will, der weltenfern ist. Meiner Meinung nach gibt es keinen anderen Grund, warum ich an Jesus glaube, als dass er ein Mensch wie ich geworden ist (Hebr. 4,15).

Jesus kommt nach Bethanien zu seinem Freund Lazarus. Dieser war bereits seit vier Tagen tot. Seine Schwestern Martha und Maria waren entsetzt und sagten: „Herr, wenn du hier gewesen wärst, hätte mein Bruder nicht sterben müssen.“ (Joh. 11,21 GNB) Auch andere Trauernde dachten: „Er hätte doch verhindern können, dass Lazarus sterben muss.“ So richtig verstanden haben das nur wenige. Doch als Jesus vor Trauer weinte, sagten sie: „Seht doch, wie sehr er ihn geliebt hat!“ (Joh. 11,36 LU).

Nicht die Auferweckung steht im Vordergrund, sondern das Mitfühlen und Mitleiden. So tief ist diese Liebe – zu Lazarus und zur ganzen Welt. Da weinte Jesus. Tränen der Liebe und der Trauer ergriffen Martha und Maria. Durch seine Menschwerdung konnte er ihren Schmerz teilen. Es waren aber auch Tränen des Zorns, wenn auch nicht über den Unglauben der Menschen, sondern über die Macht des Todes (V. 33).

In einer Welt, in der es so aussieht, als hätte das Leid einen freien Fall genommen, ist das kaum zu glauben. Angesichts von Ungerechtigkeit und Krieg frage ich mich – und sicherlich Sie auch : „Wer wird endlich eingreifen?“ Zweifellos haben wir eine wichtige Rolle, uns für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen – zu Hause, in unseren Gemeinden und in unserer Nachbarschaft. Dabei verlassen wir uns nicht auf unsere eigenen Mittel, sondern auf Jesus, der unsere Gerechtigkeit und unser Friede ist.

Jesus, der Mensch gewordene Gott, lebt in uns und weint über den Schmerz dieser Welt. Seine Tränen sind keine Tränen der Hilflosigkeit. Er weint, weil ihn jede Krankheit, jedes Leid und jede Ungerechtigkeit berühren. Es sind Tränen des Zorns über Tod und Sünde – dafür ist er ans Kreuz gegangen, um sie zu besiegen. Es sind aber auch Tränen der Liebe. Die Trauernden bei Lazarus sagten: „Seht doch, wie sehr er ihn geliebt hat!“ Also weint er, weil er diese Welt liebt. Und seine Tränen sind nicht vergeblich!

Seine Tränen verändern die Welt, uns, unser Gemeindeleben und unsere Prioritäten. Denn was Jesus schmerzt, sollte auch uns schmerzen und unser Handeln bestimmen. Möge Jesus uns sein mitfühlendes Herz schenken, so dass uns das Leid der Welt nicht egal ist und wir erkennen, wo er mit Menschen leidet – denn wo sein Herz schlägt, sind wir gefragt!

Euer/Ihr Solomon Korir

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